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Vernetzendes Denken

Global denken, lokal handeln

Unsere Welt ist von komplexen Entwicklungen (Digitalisierung, Globalisierung) geprägt, die sowohl grosse Chancen, aber auch vielfältige Herausforderungen wie durch den Klimawandel, Wirtschafts- und Finanzkrisen, Migration oder Hungersnöte mit sich bringen. Wie können in der Schule, im Unterricht und in der Berufsbildung Kompetenzen gefördert werden, die für das Verständnis und Handeln in einer komplexen und sich schnell wandelnden Welt nützlich sind? Wie können wir konkret den Unterricht und die Schulkultur gestalten, um vernetzendes Denken zu fördern und damit die üblichen Wege des linearen Denkens zu ergänzen?

Vielschichtige Fragen und Themen bedürfen einer transversalen und interdisziplinären Betrachtung aus unterschiedlichen Fach- und Akteursperspektiven:

  • Vernetzung der soziokulturellen, ökomischen und ökologischen Dimension
  • Vernetzung von lokalen und globalen Gegebenheiten
  • Vernetzung von Gegenwart und Zukunft

Erst durch das Verknüpfen der verschiedenen Perspektiven können Beziehungsgeflechte und Interdependenzen sichtbar werden. Denn gemäss dem Systemansatz ist «das Ganze mehr als die Summe seiner Teile». Jedoch geschieht das vernetzende Denken nicht per se automatisch, sondern muss im Unterricht, in klassenübergreifenden Aktivitäten oder in der gesamten Schule geübt und umgesetzt werden. Hilfreich dabei kann das Kompetenzmodell (Frischknecht et al, S. 113) zum systemischen Denken sein:

  1. Modell beschreiben: Erfassen von Systemstrukturen & Ursachen-Wirkungsgefügen
  2. Dynamik erfassen: Erkennen zeitlicher Veränderungen und dynamische Zusammenhänge
  3. Prognose treffen: Was wäre, wenn...?
  4. Handlungsentwürfe beurteilen

Die Auseinandersetzung mit anderen Perspektiven führt auch immer zur Verunsicherung der eigenen Position. Da gilt es durch die Lehrpersonen eine gute Balance zwischen Bejahung der eigenen Wertehaltung und Erweiterung durch neue Perspektiven zu finden.

Komplexe Themen können mit Schüler/-innen jedes Alters diskutiert werden, da auch jüngere Kinder bereits über (vor)wissenschaftliche Vorstellungen verfügen. Besonders geeignet dafür ist die Methode des philosophischen Dialoges, in dem Schüler/-innen aller Zyklen die Herausforderungen differenziert betrachten lernen und dabei ihr vernetzendes Denken entwickeln. Durch das Erkennen von Zusammenhängen treten sie in einen kooperativen Dialog mit ihrer Umgebung und beginnen, verantwortungsbewusst und kollektiv zu handeln. Das steigert gleichzeitig die Bedeutung und Motivation zum Lernen. Vernetzendes Denken unterstützt die Erkenntnis, dass lokale Aktivitäten unsere globalen Chancen und Herausforderungen beeinflussen und wer das realisiert, kann lokal nachhaltiger handeln.

Folgenden Beispiele und Vorschläge bieten Anregungen wie man an der Schule das Systemdenken gezielt fördern, Akteure aus verschiedenen Perspektiven zusammenbringen und interdisziplinären Unterricht fördern kann.

Lehrplanbezüge

Primarstufe & Sekundarstufe I

Im Lehrplan21 ist vernetzendes Denken als didaktisches Prinzip für BNE aufgeführt, damit die Kinder und Jugendlichen lernen, «den eigenen Platz in der Welt zu reflektieren und darüber nachzudenken, was eine Nachhaltige Entwicklung für die eigene Lebensgestaltung und das Leben in der Gesellschaft bedeutet. Es geht darum, Wissen und Können aufzubauen, das die Menschen befähigt, Zusammenhänge zu verstehen, sich als eigenständige Person in der Welt zurecht zu finden, Verantwortung zu übernehmen und sich aktiv an gesellschaftlichen Aushandlungs- und Gestaltungsprozessen für eine ökologisch, sozial und wirtschaftlich Nachhaltige Entwicklung zu beteiligen». Vernetzendes Denken findet einerseits in der Zusammenarbeit verschiedener Fächer statt, aber auch innerhalb eines Fachbereichs wie beispielsweise Natur-Mensch-Gesellschaft (NMG).

Sekundarstufe II

In der Sekundarstufe II wird im Artikel 5 des Rahmenlehrplans für Maturitätsschulen das vernetzende Denken als zentrale Kompetenz aufgeführt. Auch im Rahmenlehrplan der FMS wird das vernetzende Denken nebst Systemkompetenz und Erkennen von Zusammenhängen als wichtige interdisziplinäre Fähigkeit festgehalten. Im allgemeinbildenden Unterricht der beruflichen Grundbildung (ABU) wird vernetzendes Denken besonders gefördert, da die verschiedenen Themen jeweils kontrovers unter ethischen, kulturellen, ökologischen, technologischen, politischen, wirtschaftlichen, rechtlichen und sozialen Gesichtspunkten betrachtet und die verschiedenen Akteursperspektiven (vgl. RLP, S. 19) berücksichtigt werden. Auch die Absolvent/-innen der Berufsmaturität werden nach dem Abschluss gemäss Artikel 3 des Rahmenlehrplans befähigt, «die Welt der Arbeit mit ihren komplexen Prozessen zu erkennen, zu verstehen und sich darin zu integrieren und über [ihre] berufliche Tätigkeiten und Erfahrungen im Kontext von Natur und Gesellschaft nachzudenken». Ebenfalls durch die Vernetzung der beiden Lernbereiche «Sprache & Kommunikation» sowie «Gesellschaft» wird das Prinzip des vernetzenden Denkens gefördert.

Instrumente für Schule und Unterricht

Der vernetzte Teller, Zyklus 1, 2, 3

Ein Netz aus Plastik, Zyklus 1, 2

Mystery: mit dieser Methode entwickelt man vernetztes Denken, um komplexe Mechanismen und Situationen des alltäglichen Lebens zu verstehen und zu analysieren, wie z.B. virtuelles Wasser, Gold, Konsum etc.

Querblick-Reihe,Zyklus 1-3

Lernmedien zum Philosophieren mit Kindern

Systemdenken fördern, alle Zyklen

Unsere Umwelt, unsere Gesundheit

Handreichung für die Umsetzung von BNE gemäss Lehrplan21

Filme

Bildungsaktivitäten ausserschulischer Akteure

Büro für Mobilität AG: clevermobil

Public Eye: diverse Aktivitäten

PUSCH: diverse Aktivitäten

Stiftung Biovision: CLEVER – spielend intelligent einkaufen

Verein Bündner Pärke: Food for Future

Weitere Informationen

Erfahrungsaustauch

Dokumente aus dem ERFA BNE «Vernetzt Denken in der Schule» (12.09.18)

Grundlagedokumente

Zukunft gestalten lernen durch Bildung für nachhaltige Entwicklung

Wandel vernetzt denken (Swisseduc.ch)

Als ganze Schule BNE leben!

FlowTeams, Untersuchung von Systemen, die Methoden zur Selbstorganisation in Arbeitsgruppen angewendet haben

Webseite Das Vernetzte Denken (Universität Lüneburg)

Didaktische Grundlagen zur Bildung für Nachhaltige Entwicklung in der Lehrerinnen- und Lehrerbildung (S. 113-115)

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